Sonntag, 23. Oktober 2011

ein Stückchen Glückseligkeit

Ein kleines unsicheres Lächeln umspielt seine Mund, seine Lippen sind geschlossen, seine Augen blicken sanft und zugleich mit einer Note von Traurigkeit gefüllt in meine. Ich lächle zurück, fühle wie die Sanftheit mein Herz warm umhüllt und die Schwermut mir einen kleinen Stich versetzt. Ich spüre das Verlangen, nach seinen Händen zu greifen, sie festzuhalten und ihm zu sagen, es werde alles gut. Doch fehlen mir die Worte in der mir noch so fremden Sprache.
Ich mache einen Schritt auf ihn zu, atme tief durch, versuche mich zu entspannen, meine Angst vor einer Zurückweisung zu unterdrücken. Ich breite meine Arme aus, gehe noch einen Schritt näher an ihn heran und lege meine Arme um ihn herum. Er erwidert das, ich rieche sein Parfum und spüre seine Wärme. Zuerst ist sein Körper steif, dann lässt er sich ein wenig in die Umarmung sinken. 
Kurz darauf lasse ich ihn los, trete zurück und sehe ihm in die Augen. Er strahlt mich an, sucht nach einem Witz um vielleicht die Situation aufzuheitern, findet jedoch nicht die richtigen Worte und starrt verlegen auf den Boden. 
Ich knuffe ihn in die Seite und bedanke mich.

Jede Umarmung bringt etwas besonderes mit sich. Ich sehe eine Lehrerin, renne quietschend und kreischend auf sie zu. Wir springen uns gegenseitig in die Arme, drehen uns eins zwei Mal im Kreis, lachen und fallen beinahe hin. Danach fällt es mir schwer, nicht mehr zu lächeln.
Immer wieder überwinde ich mich, mache Schritte auf andere Menschen zu, öffne ihnen mein Herz, lasse sie einen Augenblick lang zusammen mit mir das Gefühl der Glückseligkeit und Sympathie erleben. 
Fremde oder befreundete und doch stets auf Distanz gehaltene Menschen jeglichen Alters und jeglicher Nation, lasse ich an mich heran und umarme sie.
Zum Schluss habe ich insgesamt über ein Drittel der Schulangehörigen umarmt. Angestellte und Studenten.
Eine Zurückweisung habe ich auch erlebt, doch hat diese mich nicht so sehr getroffen, wie ich zuerst befürchtet hatte.
Wer das Geschenk einer Umarmung nicht zu würdigen weiß, der hat ein Problem mit sich selbst. 

In einer Arte-Dokumentation hat einmal der Protagonist gesagt, jeder Mensch bräuchte mindestens zehn Umarmungen pro Tag. 
Mit meiner „Free Hug“ Aktion habe ich etwas in mir verändert, ich spüre eine neue Verbundenheit zu diesen Personen und auch zu mir selbst. Wie sehr würde es mich freuen, könnte sich jeder überwinden und andere Menschen an sich heran lassen. 
Anfangs dachte ich, dass der Unterschied von Kulturen mir einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Diese Angst hat sich nicht bestätigt. Allerdings traten andere Folgen ein, manche Studenten kommen seit dem öfter an, um mich zu drücken. Oder ich bekam ein Stück Torte geschenkt. Einen Kuss gab es auch. Am meisten hat es mich jedoch berührt, als ich spürte, wie eine Person in dem Moment der Umarmung, alles von sich fallen ließ und ein paar Tränen die Wangen herunter liefen. 

Ich frage mich nun, warum wir so zurückhaltend sind, obwohl gerade eine solch simple Handlung, zeitgleich zwei Menschen unheimlich glücklich machen und deren Seelen für kurze Zeit befreien kann.  

Kommentare:

  1. Vielleicht müssen wir uns verkleiden, damit wir uns näher kommen...

    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=ocBh9bgph_g#!

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  2. Das Video hat bei mir Gänsehaut hinterlassen...
    verkleiden sich die Menschen nicht schon ohnehin genug? Kaum einer zeigt sein wahres Ich.

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  3. Rawr...Rica mit Gänsehaut :p
    Mission erfolgreich :)
    Dito.

    *virtuelle Umarmung*
    Philip

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