Mittwoch, 16. Mai 2012

Gastbericht von meiner Freundin Anne...

...die mich vor zwei Wochen besucht hat.



Ich möchte euch über eine wundervolle tolle Zeit in Suomi erzählen mit einer mindestens so tollen Rica. In meinem Leben führte mein Weg noch nie nach Finnland, obwohl ich auch dieses Land einmal sehen wollten. Nach vielen Wandertouren und Sommerlagern durch die hügelige, mit fjorden übersäte Landschaft Norwegens und den typischen Kanutouren durch Schweden, stand das dritte skandinavische Land auf meiner „To-visit Liste“. Und so kam es dann auch.

Ich kann es ganz kurz zusammenfassen: Es war eine wunderschöne Zeit und diese eine Woche kam mir durch all die Erlebnisse vor wie Monate.
Unsere Reise war in verschiedene Etappen geteilt, sodass uns auch nie langweilig wurde. Drei Tage in Vihti bei einer Armenischen Freiwilligen, die mit einem weiteren Freiwilligen in einem Geisterhaus wohnt (es spuckt dort wirklich und ich hatte echt ein bisschen Schiss . ). Dann ging es nach Helsinki zum Vappu Fest, zu dem ich auch gleich nochmal genauer komme und dann nach 2 Tagen dort sprangen wir auf die nächste Fähre nach Tallinn, wo wir somit weitere 2 richtig tolle Tage in Estland erlebten.

Das Vappu Fest war echt eine Erfahrung und ich schilder euch einfach mal meine Eindrücke.
Aber ich glaube niemand kann es theoretisch so gut zusammenfassen, wie wikipedia und deshalb folgendes: „Vappu (Finnlandschwed.Vappen, der 1. Mai) ist in Finnland das Fest des Frühlings, der Studenten und der Arbeiter. Vappu ist ein gesetzlicher Feiertag. Der Termin und die damit verbundenen jahrhundertealten Traditionen stehen in der Tradition der Walpurgisnacht. Seine politische Bedeutung entspricht dem deutschen Maifeiertag.

Vappu wird in Finnland seit dem Mittelalter gefeiert und hat sich darüber hinaus seit 1870 zu einem großen Fest der Studenten entwickelt, von denen er besonders intensiv begangen wird. Finnische Studenten brachten diesen Brauch erstmals 1865 von der Universität Lund in Schweden nach Finnland. Seit den 1980er Jahren hat es sich auch eingebürgert, dass die Vertreter aller Parteien große politische Reden halten.“ (Wikipedia).
An diesem Tag waren gefühlt alle jungen Leute aus Helsinki und Umgebung (was für eine Hauptstadt nicht wirklich viel ist, im Vergleich zu deutschen großen Städten) in der guten Altstadt und die hohe Bildungsschicht der Studenten war ganz eindeutig an einem Anzug zu erkennen, der mich mehr an einen Hubschrauberanzug erinnerte, da es ein Ganzkörperanzug war, der jedoch in früher Stunde nur lässig mit den Ärmeln um die Hüfte gebunden war und somit nur die Beine bedeckte. Auf diesem Helikopteranzug, der oft in den unterschiedlichsten Farben präsentiert wurde, waren viele Aufnäher, die ich jedoch in der Regel nicht verstand oder zuordnen konnte. Je später und kälter der Abend wurde, desto mehr wurde der Anzug umgeworfen und irgendwann war er komplett angezogen und wir frierenden Ausländer mit unserer Sommerkleidung wurden neidisch auf diese praktischen Anzüge.

Die Feier beginnt mit der seltsamen, aber trotzdem sehr lustigen Geste, des Hutes -auf aufwendige Weise – auf den Kopf einer Statue am Hafen zu setzen. Unter viel Gejubel und eigene Matrosenmützen in die Luft werfen (die gehörten auch zu dem Vappuu Outfit) hob ein Kran ungefähr 10- in-einem-Kreis-sitzende Männer (natürlich mit Bier in der Hand) in die Luft und führte sie zu dem Springbrunnen, der circa 3 Meter hoch war.
Die friedliche Menschenmasse freute sich über das Aufziehen der Matrosenmütze und feierte kurz gesagt diese Geste gebührend mit viel Alkohol in der Stadt. Plötzlich wurden aus schüchternden Finnen , „Finnen von Sinnen“ und der Abend war einfach gut. Zu später Stunde machen sich alle auf den Weg nach Hause, um am nächsten Morgen jedoch sich ganz früh den Wecker zu stellen und mit alleman ein großes Katerfrühstück im Park zu sich zu nehmen. Natürlich wär das einfache Schlafen im Park einfacher gewesen, weil Kleidung wurde nicht gewechselt, wie man am nächsten Tag an den immer noch tragenden Anzüge festzustellen war. Wir benahmen uns ganz unfinnisch und standen erst auf, nachdem wir genug Schlaf bekamen und bewegten uns langsam und immernoch sehr müde und fertig vom Vorabend in einen wunderschönen finnischen Park, wo jedoch zu meiner Verwunderung am 1.Mai immer noch eine Schneeschicht lag. Trotzdem konnte man schon im Tshirt da sitzen und den letzten Abend mit lustigen Geschmackskombinationen auf dem Brot Revue passieren lassen. Ich kann nicht anders. Ich muss es nochmal wiederholen: Es war super in Finnland !!!
Rakastan Suomi!

Anmerkung

Hey,

auf der Seite Einblicke findet ihr, wenn ihr nach gaaaanz unten scrollt, ein Video über das Leben in meinem Opisto seit September 2011.

Dienstag, 8. Mai 2012

Einem Ende nahe...

Drei Monate Finnland! Zweiundneunzig Tage! Ein Vierteljahr!
Die Tage werden länger, die Nächte kürzer. Um elf ist es nicht dunkel – zwischen den schwarzen Wolken schimmert Licht hindurch. Zu viel Licht.
Der weiße Vorhang reicht nicht mehr aus. Der weiße Bettbezug, den ich vor die Gardine gehängt habe, bringt es auch nicht. Etwas Dunkleres ließ sich nicht finden.
Ich könnte beide in schwarze Farbe tunken, oder mir selbst einen Augenschutz basteln.

Wie soll das im Sommer werden? Die Sonne geht kaum unter, da geht sie wieder auf.
Romantisch?
Ich mag den klaren Himmel, die Farben sind viel deutlicher, kräftiger. Blau wird zu strahlendem Blau. Mit Verblüffen beobachte ich allabendlich die schönsten Sonnenuntergänge, die sich genau vor meinem Fenster abspielen. Ein unbeschreibliches Schauspiel, zeitweise mit Nebelschwaden oder feinen Wölkchen, die den Himmel verzieren.
Der Sternenhimmel mitten in der Nacht wirkt fast zum Greifen nahe. Die Sterne sind viel strahlender als ich es aus meiner Heimat kenne. Perfekt um Sternschnuppen zu beobachten.

Jedoch werden die nächsten drei Monate geschwind vergehen.
Den Moment festhalten, auskosten und vergehen lassen. Das habe ich hier gelernt. Die Zeit anders zu nutzen. Gefesselt war ich an das Internet und trotzdem gab es unendlich viele Augenblicke, in denen ich mich davon lösen konnte und die ich viel bewusster erlebte. Vor mir liegt der Sommer, meine neu erlernte Fähigkeit tiefer in die Sekunde zu tauchen, wird auf die Probe gestellt werden.
Die Sonne wird mich gewiss öfters ins Freie locken, der See und die Sauna zu meinen Lieblingsorten werden.
Unten am einsamen Steg werde ich sitzen, die Augen schließen und den Wind mit meinen Haaren spielen lassen.

Das Land tut mir gut. Ich habe gelernt, alleine zu sein. Mich einsam zu fühlen. Weder von Internet, noch von Medien abgelenkt zu werden. Ich brauche keine Menschen mehr um mich herum. Ich bin nicht mehr abhängig von sozialen Kontakten. Kann einige Tage ohne aushalten. Aber ich habe auch für mich erkannt, wie wichtig an anderen Tagen Freunde für mich sind. Ich weiß, auf wen ich mich verlassen kann.

Bald kann ich auf der Blumenwiese liegen, nur der Natur lauschen. Dem Rauschen der Bäume, wenn der Wind durch die Blätter fährt. Hummeln, welche sich von Blume zu Blume bewegen. Vielleicht auch dem seichten Plätschern des Wassers, Fischen die aus dem See springen, singenden Vögeln.

Hinter mir liegen Zeiten der Depressionen, der Schwarzmalerei. Viele Tränen flossen, Kerzen schmolzen. Auch Ängste habe ich durchstanden, seltsame Geräusche des alten Hauses über mich ergehen lassen. Ich bin über mich selbst hinaus gewachsen. Mutiger und selbstbewusster. Reifer.

Träume kommen und vergehen, sie zu genießen, soll erlernt sein. Das verdanke ich diesem Land. Dem ewig weilenden Winter, der ausgeprägten Natur und den entspannten Menschen.
An manchen Tagen habe ich sehr viel zu tun und doch bleibt mir Zeit, stehen zu bleiben. Meinen mit Honig versüßten Tee in Ruhe zu trinken, mit Freunden zu lachen.
Obwohl ich spät aufstehe und das Frühstück ausgiebig genieße, bin ich pünktlich bei der Arbeit. Die Uhr tickt anders. Die Minuten sind länger. Bieten Platz für Ruhe und Gelassenheit. Für Entspannung.

Freitag, 13. April 2012

Avanto Teil 2

Vor meinem Jahr in Finnland habe ich in einem Blog gelesen, ein wahrer Finne sagt niemals „Ich liebe dich“ (im finnischen Fall: „Minä rakastan sinua“ oder „Rakastan sua“). Nein, er baut seiner Angebeteten stattdessen ein Haus. Und eine Sauna – für mich der eindeutig allergrößte Liebesbeweis der Welt. Dazu noch einen Steg, der den Sprung in den, natürlich sorgfältig ausgewählten, nahen See ermöglicht.
Der Partner von Eija, eine meiner Opisto-Ansprechpersonen, hat sogar ein großes Loch in das Eis auf dem See gemacht. Für uns. Weil Popo und ich unbedingt Eisbaden wollten.
Letzten Endes sind wir zu neunt in die Sauna und anschließend ins Wasser gestiegen. Letzteres betone ich, denn ein Sprung könnte lebensgefährlich sein. Der Temperaturunterschied beträgt um die 90°C.

Zuerst fühlte sich das Wasser warm und angenehm an. Jedes der zehn Male, die ich da rein stieg und im See verweilte, war unterschiedlich. Von absolut todeskalt zu spanienwarm. Nur meine Füße mochten die Frische nicht so sehr. Manchmal gestaltete es sich schwierig mit gefrorenen Unterkörper (versucht mal mit Eisklötzen an den Beinen zu laufen) zurück zur Sauna zu gehen.
Im Gegensatz zum Dezember, da waren meine Haare innerhalb von einer halben Minute vereist und zum Januar, da mussten wir mit dem Schnee auf dem See vorlieb nehmen und uns drin wälzen, war dieser ein Sommerausflug.
Trotzdem empfehle ich es allen und hoffentlich kann ich nächste Woche wieder hinein ins kühle Nass.

Heute habe ich mich im Übrigen von einer iranischen Friseurin frisieren lassen, die Erfahrungsberichte der Studentinnen hier im Opisto, reichten von „aaaaaaaaaaah“ zu „wow!“.
Deswegen war ich nervös. Doch sie hielt sich an die Vorgabe, bloß nicht zu viel abzuschneiden. Jetzt nach fünf Monaten ohne Friseurbesuch, sehe ich wieder menschlich und annehmbar aus. Mein Bart hatte es auch echt nötig wieder gestutzt zu werden *Achtung Flachwitz! Bitte Füße hochnehmen!*

Es ist lesbar, wie mein abgöttischer Humor wie eine Rose verwelkt und von ihm zum Schluss wohl kaum etwas überbleiben wird. Pardon, liebe Freunde... seit 8 Monaten habe ich keine Ironie, keinen schwarzen Humor oder Sarkasmus verwendet oder gehört. Das scheint in meiner Umgebung nicht zu existieren.
Denn anfangs habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Nach dem mein Magen unüberhörbar laut knurrte, beantwortete ich die darauf gestellte Frage eines Mitstudenten, ob ich Hunger hätte, mit einem extremen „Neeeeeeeeeeeee! Natürlich nicht!“.
Das Ergebnis dieser Problematik war, dass ich von da an meine Wünsche, was das Aufnehmen von Nahrung betrifft, direkt und deutlich formuliert ausspreche.

Habe ich schon erwähnt, dass Schnee liegt?

Donnerstag, 12. April 2012

Avanto Teil 1

Hey,

da bin ich wieder...
In wenigen Stunden stürze ich mich ins kalte Wasser. Genauer genommen in eisigkaltes Wasser. Eisloch genannt.
Aaaaah, ich verliebe mich allein schon in die Vorstellung. Bibbernd über den gefrorenen Steg zu watscheln, an verschneiten Felsen vorbei und dann den Kreislauf so richtig in Fahrt zu bringen. Fühlt sich bestimmt so an, wie Achterbahn zu fahren. Nur kälter.
Es wird mein erstes Mal sein und falls es sich lohnt, berichte ich heute Abend darüber.
Falls meine Finger nicht abgefallen sind.

Dienstag, 10. April 2012

Ostern einmal anders

Mittlerweile vergeht die Zeit wie im Fluge, außer wenn ich nichts zu tun habe und mich langweile. In vier Monaten werde ich in den alten deutschen Alltagstrott zurückkehren, so richtig vorstellen, kann ich es mir jedoch noch nicht.
In den letzten Wochen ist nicht viel passiert. So wie seit den letzten drei Monaten.
Zweimal war ich krank und lag im Bett, innerlich keimen nun die Frühlingsgefühle auf und verlangen das Tragen von T-Shirts, doch aufgrund der Minusgrade und des hohen Schnees, bleibe ich vernünftig und ziehe mir warme Kleidung an.

Zum Glück war ich Ostern mit Popo und einer finnischen Lehrerin namens Jaana unterwegs.
Gemeinsam fuhren wir nach Joensuu. Die Großstadt liegt eine zweistündige Autofahrt entfernt und bietet etwas Abwechslung vom Alltag.
Im Oktober war ich das letzte Mal dort.
Wir übernachteten in der Studentenwohnung von Jaanas Schwester und gingen abends zu einer finnischen Party. Für mich und Popo war es eher langweilig, die Musik war zeitweise zu laut, die Menschen sprachen durchgehend auf finnisch und das Zuhören war ermüdend. Dafür konnten wir Finnen in Aktion sehen. Die Männer verschwanden zuerst in der Sauna, die Frauen stopften sich mit Fischtorte, Kuchen und Süßigkeiten voll. Dann folgte der Alkohol und zum Schluss waren alle betrunken und gut drauf. Einige tanzten zum Ende hin sogar.

Besonders interessant war für mich das Beobachten des männlichen Geschlechts.
Angekündigt wurde mir: „Pass bloß auf, nachher wird auch einer auf der Party sein, der jedes Mädchen im Sturm erobert.“
Für mich klang das nach einer Menge Spaß.
Dann als er vor mir stand, war ich sprachlos. Ein bärtiger Kerl, dessen orangeblonden langen Haare Rapunzel Konkurrenz machten. Sein Bierbäuchlein war auch kaum zu übersehen. Und er sprach so leise, dass ich mich zwischen dem Erraten seines Gesagten oder dem Vorbeugen und Ertragen seines Mundgeruches entscheiden musste.
Womanizer?
Nicht für eine Deutsche. Vielleicht wirkte er auf die finnische Damenwelt attraktiv, bei mir landete er sofort in der Kumpelschublade.
Ich kann mir gut vorstellen, dass er ein superlieber Kerl ist. Denn viele umschwärmten ihn. Aber unter einem Frauenschwarm stelle ich mir etwas anderes vor.
Insgesamt sahen die Finnen um mich herum alle sehr sympathisch aus. Da sie in ihren Grüppchen verweilten, kann ich leider nichts zu ihren Charaktereigenschaften sagen.

In einer Ecke entdeckten drei Finnen das Gruppenkuscheln für sich, indem sie sich aufeinander setzten. Der Zweite auf den Schoß des Unteren und der Dritte mit Blickrichtung zum Zweiten auf beide. Eng verknotet hauchten sie sich Liebesschwüre wahrer Männerfreundschaft zu.
So verharrten sie etliche Minuten.
Das war etwas zu viel des Guten für mich – werden in Deutschland doch oft einige bereits als schwul betitelt, weil sie sich kurz umarmen.

Am nächsten Tag verbrachten wir drei den Vormittag in der Wohnung und beobachteten im TV wie ein Schiff durch Norwegen fuhr. Die Filmcrew hatte fünf ganze Tage lang alles gefilmt, was da so passierte. Die Dokumentation lief stundenlang und wäre ideal für Trinkspiele geeignet. Bei jedem Wasserfall ein Gläschen und schwupps bist du nach einer halben Stunde so betrunken, dass du alles um dich herum vergisst.

Nachmittags bekamen wir die Idee, im Internet Pizza zu bestellen. Als Premiere.
Hat sich wirklich gelohnt!
Und gestärkt von der Mahlzeit, machten wir uns auf zu Jaanas Freunden. In einer anderen Studentenwohnung saßen wir zusammen mit vier anderen Finninnen, guckten Fernsehen und unterhielten uns. Vier Stunden lang. Danach ging es endlich zum Konzert der Pariisin Kevät (Pariser Frühling).
Die Band bestand aus sechs Männern, die richtig ab rockten auf der Bühne.
Ich hatte zwar nie zuvor deren Musik gehört, aber sie trafen völlig meinen Geschmack.

Danach gingen wir im Gebäude herum, unterhielten uns mit Bekannten und sahen wie eine zweite Band auftrat. Hierbei handelte es sich jedoch nur um eine Coverband, also nichts besonderes. Auffällig war, dass fast alle Männer um mich herum, lange Haare hatten und die meisten sie zum Dutt gebunden trugen.
Bei den meisten sah das gut aus.
Es wurde etwas ruhiger im Club und ich konnte wieder einige Beobachtungen machen.
Da saß er, das Phänomen Finne, mit wehleidigem Blick, umringt von siebzehn leeren Biergläsern, zwei Freunden, die eng an ihm klebten und ihm zu sprachen.
An dem Tisch daneben, saßen zwei andere und vollzogen das Bruderschaftstrinken mit Küsschen.

Am nächsten Tag schafften wir es tatsächlich um neun Uhr die Wohnung zu verlassen! Wir hielten auf der Streckenhälfte an und durchquerten einen Zoo. Dort sah ich auch zum ersten Mal einen Elch, der sofort auf Schmusekurs ging und mir seinen Kopf hin hielt.
Sogar ein Rentier war zwischen den Luchsen, Vögeln, Bären, Wildschweinen, Lamas und anderen interessanten Tieren zu entdecken.

Den Abend verbrachten wir mit Jaanas Familie auf deren Bauernhof. Nach dem Grillen (das so ähnlich wie in Deutschland fabriziert wird), wurden wir herum geführt, durften beim Melken helfen, die Kälber bespaßen, Traktor fahren (yeeeeah!!!), saunieren und wurden morgens pünktlich um sechs von den vier Border Collies geweckt (was wir ignorierten und einfach weiterschliefen).
Später gab es sogar ein frisch zur Welt gekommenes Kalb zu begutachten.

Es war ein richtig aufregendes und tolles Wochenende, besonders das Ende auf dem Bauernhof und das Konzert am Freitag, gefielen mir sehr.

Jetzt, zurück im Opisto, überkommt mich die Langeweile. Der Schnee schmilzt nicht und lässt die Welt so trist und öde wirken. Lust auf Unternehmungen habe ich hier nicht, Joggen oder Radfahren wird zur gefährlichen Freizeitaktivität.
Die Studenten machen tagsüber mehrere Wochen lang Praktikas und somit ist überhaupt nichts los.
Bääh... es kommt mir so vor, als würde ich die Zeit hier nur verplempern.

(Glaubt eigentlich jemand von euch an ein Leben nach dem Tod?)

Montag, 19. März 2012

Argh...

Eine Schneeflocke setzt sich auf meine Nasenspitze. Bedröppelt starre ich sie an, spüre wie sie dahin schmilzt und verschwindet. Frühling. Haha, von wegen.
Während sich der Altschnee den Agrarzustand verändert und so manches Auto rückwärts den Hügel hinunter gegen ein anderes rutschen lässt, setzt sich der 5 Zentimeter hohe Neuschnee oben drauf und versucht dem Ganzen eine schöne Note zu geben.

Schnee.
Als Kind mochte ich ihn. Schnell mal den Schlitten suchen oder Ski fahren.
In zwei Tagen ist Frühlingsanfang.
Für mich gewinnt das Wort „Ski-Ferien“ eine ganz neue Bedeutung.
Dem weißen Übel ist nichts gutes abzugewinnen. Wie gern würde ich die Massen weg pusten. Dafür reicht mein Lungenvolumen jedoch leider nicht aus.
Doch, immerhin verschwindet die schöne, alte, hässliche Mülltonne gerade in den Schneemassen.

Wäre eine gute Idee für die eine neue Weltmeisterschaft: Schneewegpusten.
Ob ich die Luftgitarrenweltmeisterschaft wohl dieses Jahr besuchen kann?
Oder den Handyweitwurfwettbewerb?

Ich habe nur noch knapp fünf Monate vor mir. Wirklich viel habe ich in den letzten vier, fünf Monaten nicht erlebt. Der Winterschlaf, ein notwendiges Übel zum Überleben der langweiligsten Zeit des Jahres, überkam nicht nur die Finnen.

Was soll man hier auch schon großartiges erleben?
Schnee gibt es in allen Ecken. Schneemänner kann man aus ihm nicht bauen. In Finnland geht es anscheinend eher um die Quantität als Qualität. Schade.

Ich bin es satt jeden Tag nur weiß/schwarz zu sehen. Mir fehlen die farbenfrohen Wälder und Wiesen. Gerüchten zufolge dauert es ein bis zwei Monate, dann fängt der finnische Frühling an.
Und das Leben.