Montag, 19. September 2011

Kurzmeldung


Liebe Leute,
mir geht es heute,
wonderbra!

Letzte Woche stand ich kurz vor dem Nervenzusammenbruch, übte jeden Tag fleißig finnisch und lernte die ersten Kapitel des Sachbuches auswendig. So viel habe ich nie zuvor für die Schule getan. Ich war wirklich davon überzeugt, absolut zu versagen und weder meinen Namen noch die Personalpronomen in dem Examen korrekt angeben zu können.
Da saß ich über die vier gelben Zettel gebeugt, riet hin und her, schrieb ein Wörtchen dorthin und lies woanders eines aus… letztendlich kosteten mich die vierzig Minuten viele Nervenzellen, die den Freitod wählten und danach ärgerte ich mich über die vielen Fehler, die ich gemacht hatte.
Heute bekamen wir die Ergebnisse und als ich hörte, ich hätte eine 4+, starb ich vor Scham. Eine 4+? So schlecht war ich? Natürlich fiel mir dann erst nach dem Schock ein, dass hier ein anderes Notensystem herrscht. Somit habe ich nach dem Deutschen eine 2+ und damit lässt es sich leben, zumal ich nie im Leben damit gerechnet hätte. Nur frage ich mich, warum mir diese Teste anscheinend so leicht fallen (letzte Woche hatte ich in einem Kurztest eine 5)und mir trotzdem häufig die finnischen Worte fehlen, wenn ich mich mit jemanden unterhalten will.
Vermutlich ist mein Unterbewusstsein einfach viel sprachbegabter als meine große Klappe. In meinen Träumen schwirren momentan häufig finnische Begriffe umher und heute habe ich mich erneut dabei ertappt, wie ich in Gedanken etwas auf Englisch ausdiskutieren wollte.

Heute Morgen war es ganze drei Grad warm und die Sonne schien. Dazu die bunten Blätter an den Bäumen. Schade, dass der Herbst so schnell vorbei geht.
Allmählich geht mir mein Lieblingstee aus und ich glaube, den gibt es hier nicht zu kaufen. Im Allgemeinen sind viele Dinge hier wesentlich teurer. Zumindest die Hygieneartikel, der Alkohol und das Versenden von Briefen. Zum Glück gibt es Lidl, obwohl dieser Supermarkt wie alle Billigdiscounter fragwürdige Hintergründe hat.

Aufgrund meines Aussehens habe ich hier überhaupt keine Probleme im Umgang mit den Finnen. Viele sprechen mich auf Finnisch an und reagieren überrascht, wenn ich nicht die passende, der Sprache gerechte, Antwort finden kann, da sie mich für eine Finnin halten. Andere Studenten, besonders die mit dunkler Hautfarbe, fühlen sich teils in den Clubs unwohl, da sie angestarrt werden, als wären sie Außerirdische.

Für den Winter überlegen sich gerade einige Studenten, wie wir dafür sorgen können, keine Depressionen zu bekommen. Es ist sogar Teil des Unterrichtes des Fortgeschrittenenkurses.
Vorhin waren außerdem einige Frauen in dem Opisto, die eine ähnliche Arbeit wie im Frauenhaus verrichten. Jeder, der Probleme hat und darüber reden will, kann sich an diese Seelensorger wenden. Hierbei spielt es keine Rolle, ob man Heimweh, Ängste, Depressionen, schreckliche Erlebnisse zu verarbeiten oder nur kleine Probleme hat. Ist das nicht wunderbar?
Jedoch werde ich mich hoffentlich nicht an die Seelensorger wenden müssen, zumindest habe ich mir vorerst einen Depressionenvorsorgeplan überlegt und der schließt mit ein, dass ich die meiste Zeit des Novembers höchstwahrscheinlich in dem Männerstudentenhaus verbringen werde, da sie mich dort so liebevoll bemuttern. Dann kann ich gar nicht auf negative Gedanken kommen. Und da ich bisher hier keine Hunde für das Hundeschlittenfahren ausfindig machen konnte, werde ich vermutlich die Jungs vor den Schlitten spannen und mich ziehen lassen.

Kommentare:

  1. Rica du fühlst dich nicht nur so du bist es auch : Einfach Wonderbra!!!! :)

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  2. Meine Gehirnzellen wählen im moment auch den Freitod :D In Depressionen kannst du außerdem garnicht fallen, weil du eine Frohnatur bist ! Und falls alle Stricke reißen, hast du ja noch uns ;)

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  3. Mädels, ihr seid das beste was mir je passiert ist... ihr seid einfach... wonderbra!

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